ROGER HODGSON in PIANONews, January 2011

ROGER HODGSON in PIANONews, January 2011

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English version follows the german one.

ROGER HODGSON, Piano News January 2011

Beatles und Debussy als Inspirationsquelle

Von: Robert Nemecek
Roger Hodgson (*1950) hat als Sänger und Songwriter der legendären amerikanischen Rockband SUPERTRAMP Pop-Geschichte geschrieben. Aus seiner Feder sind Evergreens wie Dreamer, Give a little bit oder The logical song geflossen, und sie scheinen kein Verfallsdatum zu kennen, ja sind heute fast noch populärer als zur Zeit ihrer Entstehung. Hodgsons Erfolg beruhte jedoch nicht nur auf seinen kompositorischen und vokalen, sondern auch auf seinen instrumentalen Qualitäten, wobei

Klavier und Keyboard – neben der akustischen Gitarre –stets eine wichtige Rolle spielten. Und das tun sie auch heute noch, wenn Hodgson, der in den vergangenen Jahren ein beachtliches Comeback hingelegt hat, bei seinen Soloauftritten neue und alte Songs vorträgt, wobei er leichtfüßig zwischen Keyboard, Flügel und Gitarre hin- und herpendelt.
Im März dieses Jahres wird Roger Hodgson im Rahmen seiner Europatournee, die von PIANONews präsentiert wird, in mehreren deutschen Städten gastieren. Aus diesem Anlass trafen wir uns mit ihm zum Interview, in dem Hodgson bereitwillig Auskunft über seine Vorbilder, seine musikalische Inspiration und nicht zuletzt über seine Beziehung zum Klavier gab.


PIANONews: Herr Hodgson, wer Sie und Ihre Musik auch nur ein bisschen kennt, weiß, dass Sie nicht nur ein ausgezeichneter Gitarrist sind, sondern auch ziemlich gut Klavier spielen können. Einige Ihrer schönsten Songs sind für Singstimme und Klavier geschrieben. Das lässt auf eine sehr enge Beziehung zu diesem Instrument schließen, die vermutlich sehr früh begonnen hat. Ist das richtig?

Roger Hodgson: Ja, das stimmt. Wir hatten zu Hause einen richtigen Flügel. Allerdings wollten meine Eltern gar nicht, dass ich darauf spiele. Ich kann Ihnen noch nicht einmal richtig sagen warum. Auf jeden Fall hatte ich ab meinem 16 Lebensjahr Klavierunterricht, wo ich zunächst einmal Stücke aus dem klassischen Repertoire lernen musste. Aber, um ehrlich zu sein, fand  ich es nicht immer so interessant. Denn ich wollte schon damals meine eigene Musik spielen. Und wenn ich alleine war, spielte ich meine Kompositionen und entwickelte meinen eigenen Stil, der sich natürlich vom dem klassisch-romantischen stark unterschied.

PIANONews: Hatten Sie denn damals schon eine so genaue Vorstellung davon?

Roger Hodgson: Ja. Ich habe eine sehr ausgeprägte musikalische Vorstellungskraft, höre die Musik in meinem Kopf, höre die Akkorde und Melodien, und ich weiß sofort, wo sie auf dem Klavier zu finden sind.

PIANONews: Aber Sie hatten doch bestimmt auch Vorbilder, an denen Sie sich orientierten?

Roger Hodgson: Natürlich hatte ich die. Eines meiner größten Vorbilder war Claude Debussy. Seine Musik berührte mich sehr stark, weil sie so anders war als die mir bekannte klassische: freier, farbenreicher und klanglich schöner.

PIANONews: Haben Sie auch einige Klavierstücke von Debussy gespielt?

Roger Hodgson: Ja. Ich erinnere mich ganz besonders an die Klavierstücke Das Mädchen mit dem flachsblonden Haar und Clair de lune. Das fand ich zum Heulen schön. Die sanft geschwungene Melodie, die leuchtenden Harmonien …

PIANONews: Würden Sie sagen, dass Debussys Musik Ihr musikalisches Denken beeinflusst hat?

Roger Hodgson: Ich denke schon. Was mich an Debussy so fasziniert hat, war die Tatsache, dass sich in seiner Musik nichts genau wiederholt. Es ist wie eine Reise ins Unbekannte und daher ganz anders als ein Popsong mit der bekannten Abfolge von Vers-Chorus – Vers-Chorus. Bei Debussy entwickelt sich die Musik ständig weiter, und am Ende kommt sie auch wieder sicher nach Hause. In meinem Genre, Rock und Pop, gibt es viele Wiederholungen, und es geht da oft sehr formelhaft zu. In vielen meiner Songs habe ich genau das zu vermeiden versucht. Die Entwicklung geht da immer weiter – wie bei Debussy.

PIANONews: Gibt es noch einen Komponisten oder ein bestimmtes Werk aus dem klassischen Bereich, das Sie besonders gemocht haben, oder sogar immer noch mögen?

Roger Hodgson: Ja, Die Planeten von Gustav Holst. Diesen großen orchestralen Sound habe ich schon immer gemocht. Ich denke, dass sich auch das in meinen Kompositionen bemerkbar macht.

PIANONews: Sie meinen die weiträumigen orchestralen Wirkungen in Fools Ouverture?

Roger Hodgson: Zum Beispiel, ja. Eine Gruppe wie die Beatles war für mich natürlich sehr viel wichtiger. Wie so viele andere bin ich mit ihrer Musik aufgewachsen und habe sie in meiner Jugend förmlich in mich aufgesogen. Der Einfluss der Beatles auf meinen künstlerischen Werdegang und auf meine Musik ist immens!

PIANONews: Wenn man Ihr Künstlerprofil neben das von John Lennon stellt, entdeckt man erstaunlich viele Gemeinsamkeiten!

Roger Hodgson: Ja, absolut! Lennon war natürlich gleich in mehrfacher Hinsicht ein großes Vorbild. Er war es vor allem als Künstler, der seinen tiefsten Gefühlen Ausdruck zu verleihen vermochte. Und dann gibt es von ihm Klaviersongs wie Women oder Across the Universe, die einfach großartig sind! Ich wünschte, ich hätte sie geschrieben. Lennon war zweifellos der Held meiner frühen Jahre.

PIANONews: Wie komponieren Sie eigentlich? Gehen Sie da eher planmäßig vor oder …

Roger Hodgson: Echte Inspiration bewegt sich in einem magischen Raum. Auch viele Komponisten der klassischen Musik haben sich nicht als Urheber, sondern als Medium der Musik gesehen. Das kann ich nur bestätigen. Die Inspiration kommt nur dann, wenn der Verstand schweigt. Es ist die Musik, die mich lenkt, und nicht umgekehrt. Wenn ich spiele, ist es ganz ähnlich. Dann denke ich nicht nach, sondern lasse mich völlig von der Musik leiten, werde eins mit ihr. Es ist mehr ein Zuhören als Machen.

PIANONews: Komponieren Sie lieber am Klavier oder mit Gitarre?

Roger Hodgson: Sowohl als auch. Machmal arbeite ich allerdings auch mit einem Harmonium. Mit den Klängen dieses Instruments gelange ich ganz leicht an jenen magischen Ort, von dem ich eben gesprochen habe. Ich tauche damit sehr schnell in diesen Raum ein und verliere mich darin.

PIANONews: Am Klavier passiert Ihnen das nicht?

Roger Hodgson: Doch! Aber da hängt es sehr von der Art des Klaviers oder Flügels ab. Es gibt eben Klaviere, die wunderbar singen und bei denen man denkt: Ah, wie schön! Dann werde ich eins mit dem Instrument und lasse mich von den Klängen treiben. Und dann gibt es wieder Instrumente, die mich völlig kaltlassen. Klang und Charakter eines Instruments haben auf jeden Fall großen Einfluss auf das Komponieren.

PIANONews: Dann komponieren Sie mit Keyboard sicher anders als mit Klavier.

Roger Hodgson: Ja, sicher. Das Keyboard erlaubt natürlich noch ganz andere Klangfarben und Effekte als das Klavier, und meine Stücke mit Keyboard haben meistens einen schnelleren rhythmischen Puls. Denken Sie etwa an Dreamer, wo die Akkorde in schnellem Tempo repetiert werden.

PIANONews: Kann es sein, dass Ihre Songs mit Klavierbegleitung eher einen lyrischen Charakter haben als die mit Keyboard?

Roger Hodgson: Das trifft in einigen Fällen sicher zu. Flowers in the wind wäre so ein Fall. Das Wunderbare an einem Grand Piano ist vor allem, dass es so eine Art Künstlerstolz ausstrahlt. Menschen, die so ein Instrument erschaffen haben, ich denke da an Steinway oder Bösendorfer, taten dies mit großer Leidenschaft, und das kann man beim Spielen spüren. Klaviere und Flügel haben diese große Tradition, und jedes Instrument hat einen langen Entstehungsprozess hinter sich. Wenn ich mich ans Klavier setze, dann fühle und genieße ich das.

PIANONews: Sie sind ein echter Klavierliebhaber!

Roger Hodgson: Sicher bin ich das. Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit, in Österreich auf einem Bösendorfer zu spielen, und ich habe mich in das Instrument richtig verliebt! Es war so, als lebte und spräche es zu mir. Am liebsten hätte ich es mitgenommen. Das war aber leider nicht möglich.

PIANONews: Glauben Sie, dass sich Ihr musikalischer Stil mit der Zeit verändert hat?

Roger Hodgson: Also, ich glaube, mit der Zeit verändern wir uns auf allen Ebenen. In musikalischer Hinsicht bin ich wahrscheinlich etwas anspruchsvoller geworden als früher. Mich berührt wirklich nur noch Musik, die aus dem Herzen kommt. Und der Künstler muss in der Lage sein, seine Stimmung und seine Gefühle – sei es nun Trauer oder ausgelassene Fröhlichkeit – zu
vermitteln, so wie zum Beispiel John Lennon. So hoffe auch ich als Künstler immer besser und besser zu werden.

PIANONews: Letzte Frage: Was erwartet uns, wenn Sie im März 2011 nach Deutschland kommen?

Roger Hodgson: Was Sie erwartet, ist eine gute Mischung aus Supertramp-Klassikern und Songs aus meinen Solo-Alben – also ein Querschnitt durch mein Schaffen seit den 70er Jahren. Ich werde natürlich nicht alleine auftreten, sondern mit meinem langjährigen Musikpartner Aaron McDonald, der ein äußerst vielseitiger Musiker ist.

PIANONews: Also keine Band?

Roger Hodgson: Nein, keine Band. Das Problem mit den Bands ist doch – so sehr ich sie auch liebe –, dass sie sehr raumgreifend sind. Ein Soloauftritt mit Begleitung gibt mir mehr Möglichkeiten, den Raum selbst zu füllen. Man kann die rhythmische Energie meiner Hände, meine Stimme und Musik viel besser wahrnehmen und fühlen als mit Band. Und ich verspreche Ihnen, dass Sie einen gut aufgelegten Roger Hodgson erleben werden.

PIANONews: Davon sind wir überzeugt! Vielen Dank für dieses Gespräch, Herr Hodgson.

Weitere Informationen zu Roger Hodgson auf
www.RogerHodgson.com


PIANONews präsentiert die Tournee von Roger Hodgson

8. März Frankfurt, Alte Oper
9. März Stuttgart, Liederhalle
11. März Leipzig, Gewandhaus
12. März Erlebnisbergwerk Merkers
13. März München, Philharmonie
15. März Nürnberg, Meistersingerhalle
18. März Hamburg, Laeiszhalle


Beatles and Debussy as sources of Inspiration

By: Robert Nemecek 

Roger Hodgson (*1950) the singer and songwriter of legendary British rock band Supertramp has written pop history. He has penned evergreens like Dreamer, Give a Little Bit or The Logical Song and they do not seem to have an expiration date, they are even more popular today than back in the times when they came into being. But Hodgson's success was not only based on his compositional and vocal qualities but is as well due to his instrumental skills – piano and keyboard were always playing a big role besides acoustic guitar. And that's what they still do today when Hodgson, who has pulled off a remarkable comeback in those past few years, is performing old songs during his solo shows during which he switches easily from keyboard to grand piano to guitar. This year in March, Roger Hodgson will give guest performances in a couple of German cities, PIANONews is presenting the tour. On the occasion of this event, we met with him for this interview in which Hodgson openly talks about his role models, his musical inspirations and also about his relationship with the piano.

 

PianoNews: Mr. Hodgson, those who are familiar with your work know that not only are you an excellent guitarist you are a fairly good piano player as well. Some of your wonderful songs were written for vocals and piano. One may conclude that you are having a very close relationship with that instrument which probably started quite early on, is that right?

Roger Hodgson: Yes, that's right. We had a genuine grand piano at home. But my parents didn't want me to play on it. I can't even tell you why. I took piano lessons from age 16 and had to learn pieces from the classical repertoire at first. But, to be honest, I didn't always find that very interesting. I much rather wanted to play my own compositions and developed my own style which of course was very different from that classical-romantic style.

PN: Did you have such a definite idea of your style at that time already?

Roger Hodgson: Yes. I do have a very distinct musical power of imagination, I hear the music in my head, I'm hearing the chords and melodies and I immediately know where to find them on the piano.

PN: But you also had role models who influenced you...

Roger Hodgson: Of course I did. One of my biggest mentors was Claude Debussy. His music touched me in a very deep way because it was so different from the classical music I knew. More free, more colourful and the sound more beautiful.

PN: Did you ever play any of Debussy's piano pieces?

Roger Hodgson: Yes. In particular I remember the piano pieces The Girl With The Flaxen Hair and Clair De Lune. That one I found so beautiful it could have made me cry. The rolling melody, the lucent tunes...

PN: Would you say that Debussy has influenced your musical thinking?

Roger Hodgson: I think he did. The thing that fascinated me most about Debussy was the fact that there is no such thing as an exact reprise. It's like a journey into the unknown and thus totally different from a pop song with the well-known sequence of verse-chorus – verse-chorus. As far as Debussy is concerned, there's always progress in his music and in the end it will return home safely. In my genre, rock and pop, there are lots of reprises and there oftentimes are very formulaic structures. With many of my songs I have attempted to avoid just that. There is always progress – just like with Debussy.

PN: Is there another composer or a certain composition from the classical field that you particularly liked or even still do?

Roger Hodgson: Yes, The Planets by Gustav Holst. I have always liked this huge orchestral sound. I think that also shows in my compositions.

PN: You're referring to the spacious orchestral impressions of Fools Overture?

Roger Hodgson: For instance, yes. But a band like the Beatles of course was much more important to me. Like so many others I have grown up to their music and I virtually soaked them in. The Beatles' influence on my artistic development is immense!

PN: If one compares your artistic profile with the one of John Lennon, there are astounding similarities between the two.

Roger Hodgson: Absolutely, yes! Lennon was a huge role model in many ways. I was most impressed  by the artist who was able to express his most inner feelings. And then there are his piano pieces like Imagine or Across The Universe, which are simply great. I wish, I'd written them. Lennon was without doubt the hero of my early years.

PN: How do you compose? Do you have a fixed schedule...

Roger Hodgson: True inspiration happens in a magical space. Many composers of classical music have not regarded themselves as creators but as mediums of the music. I can confirm that. Inspiration only happens when the mind is quiet. It is the music which directs me and not vice versa. When I'm playing it's a very similar thing. Then I do not think but let the music take me, I become one with it. It is more of a listening rather than actively doing something.

PN: Which do you prefer: Composing on piano or on guitar?

Roger Hodgson: Both. Sometimes I work with a harmonium instead. The sounds of it have the means to very easily take me to that magical place I was mentioning before. I very quickly immerse myself in that space and I lose my limiting self there.

PN: Is that a thing that doesn't happen when you're on the piano?

Roger Hodgson: Well, yes it does! But there it very much depends on the sort of piano or grand piano. There are pianos that are singing very wonderfully and where you think: Ah, how beautiful! Then I become one with the instrument and let the sounds take me. But then again, there are instruments which leave me completely cold. Sound and character of an instrument definitely do have a great impact on composing.

PN: Does that mean your composing on the keyboard is different from your composing on the piano?

Roger Hodgson: Surely, yes. The keyboard naturally allows very different tone colours and effects from the piano and my keyboard pieces mostly have a quicker rhythmic pulse. Think about Dreamer where the chords get repeated in fast tempo.

PN: Could it be that your piano pieces have a more lyric character when compared to the keyboard songs?

Roger Hodgson: In some cases that certainly is true. "Lovers In The Wind" is such a case. The wonderful thing about a grand piano is that it radiates that kind of artistic pride. The people who have created such an instrument – I am thinking mainly Steinway or Bösendorfer – did that with great passion and you are able to feel that when playing. Pianos and grand pianos have that great tradition and each single instrument has gone through a long process of creation. When I sit down at a piano, I can feel that and I enjoy it.

PN: You're a true piano aficionado!

Roger Hodgson: Of course I am. Recently I had the chance to play on a Bösendorfer in Austria and I really fell in love with that instrument! It was as if it was alive and was talking to me. I would have loved to take it with me. But unfortunately that wasn't possible.

PN: Do you think that your musical style has changed in the course of time?

Roger Hodgson: Well, I believe that in the course of time we are changing on all levels. As far as the music is concerned I probably became more demanding than in the past. Music does only touch me when it comes from the heart. And the artist has to be able to transport his mood and his feelings – be it grief or wild joy. Like for instance John Lennon. Thus I hope to get better and better as an artist.

PN: Last question: What is expecting us when you will be coming to Germany in March 2011?

Roger Hodgson: What expects you is a well-balanced mixture of Supertramp classics and songs from my solo albums – in other words a cross-section of my work since the 70s. I will of course not perform alone but with my long-time musical companion Aaron MacDonald who is a very versatile musician.

PN: No band?

Roger Hodgson: There won't be a band, no. The problem with the bands – as much as I love them – is that they are very space-consuming. A solo show allows me to fill that space myself. You are able to sense the rhythmic energy of my hands, my voice and the music much better  without a band. And I promise, you are going to experience a good-humoured Roger Hodgson.

PN: We are convinced of that! Thank you very much for the conversation, Mr. Hodgson.

For more information about Roger Hodgson go to  
www.RogerHodgson.com


PianoNews presents the Roger Hodgson tour

8. March Frankfurt, Alte Oper
9. March Stuttgart, Liederhalle
11. March Leipzig Gewandhaus
12. March Merkers Mine
13. März München, Philharmonie
15. March Nuremberg, Meistersingerhalle
18. March Hamburg, Laeiszhalle

 

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